Author Topic: Bildung  (Read 719 times)

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Bildung
« on: December 24, 2015, 02:40:16 PM »
In diesem Thread werden Anliegen besprochen, die mit dem Thema Bildung zu tun haben.

Offline Gabriel Morales

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Re: Bildung
« Reply #1 on: January 16, 2016, 09:17:15 PM »
Wie die Technologie in den vergangenen 200 Jahren die Löhne beeinflusst hat
Von James Bessen

Das heutige große Paradoxon ist, dass sich die Auswirkungen der Technologie überall bemerkbar machen - in unseren Autos, unseren Telefonen, der Arztpraxis, im Supermarkt etc - aber nicht in unseren Löhnen. Wir arbeiten anders, kommunizieren anders miteinander, erschaffen Dinge anders und unterhalten uns anders. All dies dank neuer Technologie. Doch seit Beginn der PC-Revolution vor drei Jahrzehnten hat der Median-Lohn stagniert.

In den letzten zweihundert Jahren waren technologische Fortschritte für eine Verzehnfachung der Löhne verantwortlich. Aber einige Leute behaupten, dass die Technologie sich nun gegen uns gewendet habe, und sie beseitige dauerhaft Arbeitsplätze des Mittelstands; dies deute auf eine Zukunft der steigenden wirtschaftlichen Ungleichheit. Das Heilmittel, sagen sie, liege in der Politik, um den Wohlstand zu verteilen.

Aber sind wir wirklich an einem historischen Wendepunkt? Nein. In der Tat unterscheidet sich die Gegenwart nicht so sehr von der Vergangenheit.

Im Laufe der Geschichte wurden wichtige neue Technologien ebenfalls zunächst von stagnierenden Löhnen und wachsender Ungleichheit begleitet. Dies galt während der industriellen Revolution im frühen neunzehnten Jahrhundert und auch während der Welle der Elektrifizierung, die am Ende des neunzehnten Jahrhunderts begann. Doch nach Jahrzehnten hat sich dieses Muster umgekehrt; eine große Anzahl von einfachen Arbeitern konnten nach einer Konsolidierungsphase schließlich einen robusten Lohnwachstum feststellen - dank neuer Technologie.

Natürlich sind die Umstände heute anders. Informationstechnologie automatisiert die Büro-Arbeit und das Tempo des Wandels ist schneller. Aber die zentrale Herausforderung für die Belegschaft ist die gleiche wie in der Vergangenheit. Damals wie heute, hatte eine grosse Zahl von Menschen zur Umsetzung wichtiger neuer Technologien neue Fähigkeiten und Kenntnisse zu erlernen. Dieser Lernprozess erwies sich überraschend langsam und schwierig zu sein, doch es war der Schlüssel zu höheren Löhnen. Heutige Belegschaften haben eine ähnliche Hürde zu überwinden, bevor sie von neuen Technologien profitieren können.

Zu oft, wenn Leute über Technologie nachdenken, denken sie nur über die ursprüngliche Erfindung. In der Cartoon-Version, besteht Technologie aus Erfindungen "von Genies entwickelt, um von Idioten angewendet zu werden". Doch die meisten wichtigen Techno-logien entwickeln sich über Jahrzehnte, in denen viele Menschen lernen, wie sie funktionieren, angepasst werden und zur Verbesserung der anfänglichen Erfindung beitragen. Die anfängliche Webmaschine – eine der transformativen Technologien der industriellen Revolution – automatisierte das Weben, so dass ein Weber, doppelt so viel Stoff pro Stunde produzieren konnte. Aber im nächsten Jahrhundert, verbesserten Weber ihre Fähigkeiten und Mechaniken, Manager brachten Anpassungen und Verbesserungen an und erzielten eine Leistungssteigerung um das Zwanzigfache pro Stunde. Die meisten Vorteile dieser Technologie brauchten eine lange Zeit, um sich zu realisieren und benötigten die Fähigkeiten und Kenntnisse vieler Menschen. Ebenso langsame Fortschritte waren bei der Dampf-maschine, Fabrik Elektrifizierung und Erdölraffination zu beobachten. In jüngster Zeit hat es Jahrzehnte gedauert, bis Computer in den Produktivitätsstatistiken auftauchten.

Weil Fähigkeiten während der industriellen Revolution so wichtig waren, nahmen die Arbeitgeber manchmal lange Lernprozesse in Kauf, um eine intelligente Belegschaft, die in der Ausübung der Arbeitstätigkeit lernen konnte, auf zu bauen. Lowell, Massachusetts, war das Silicon Valley dieser Tage und die Textilfabriken von Lowell rekrutierten lernfreudige junge Frauen, indem sie ihnen so etwas wie eine College-Erfahrung anbot: die Mühlenbesitzer finanzierten Schulen, Vortragsreihen, Bibliothek und Kulturveranstaltungen. Ein „Mühle-Mädchen“, Lucy Larcom, studierte Germanistik und Botanik und in den 1830er und 1840er Jahren veröffentlichte sie Gedichte in der Literaturzeitschrift der Mühle-Mädchen; sie fand die Aufmerksamkeit von John Greenleaf Whittier, der ihr Mentor wurde.

Diese Maßnahmen der Mühlenbesitzer mögen wohl überraschend erscheinen, da auch heute Fabrikarbeiter mit geringer Bildung oft als untauglich bezeichnet werden. Obwohl die ersten Fabrikarbeiter wenig Schulbildung besassen, erlernten sie Fähigkeiten auf dem Arbeitsmarkt - Fähigkeiten, die entscheidend waren, um die seltsamen, neuen, teuren Maschinen effizient in Betrieb zu halten. Ihre Fähigkeiten waren wenig im Vergleich zu denen von traditionellen Handwerkern, aber dennoch wertvoll. Diese Fähigkeiten ermöglichten schliesslich, dass industrielle Weber weit mehr verdienten, als frühere handwerkliche Weber; Stahlarbeiter mit wenig Fähigkeiten verdienten mehr, als traditionelle Hüttenarbeiter mit vertieften Fähig-keiten; Typografen der neuen Linotype Maschinen verdienten mehr, als die Hand-Setzer, die sie ersetzt hatten. Außerdem bezahlten Arbeitgeber diese Arbeitnehmer auch in einer Zeit gut, in der die Gewerkschaften wenig Macht besassen. Technische Fähigkeiten durch Praxis zu erlernen, erlaubte Arbeitern mit geringer Bildung, in den Mittelstand auf zu steigen.

Allerdings dauerte dieser Prozess eine lange Zeit. Viele Arbeiter waren nicht in der Lage, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. In den ersten Textilfabriken, verliessen die meisten Arbeiter bereits nach wenigen Monaten ihren Posten, weil sie die Arbeit für zu schwer zu erlernen oder zu unangenehm befanden. Diese Fähigkeiten konnten nicht in der Schule gelernt werden. Die Technik war zu unerprobt, änderte sich zu schnell, um an Schulen erlernt zu werden. Die ersten Textil-Schulen wurden erst nach dem Bürgerkrieg gegründet. Noch wichtiger ist, es waren für Arbeiter wenig Anreize vorhanden, um die neuen Fähigkeiten zu erlernen, weil der Arbeitsmarkt zunächst eng begrenzt war. Während den 1830er Jahren, mussten die Textilfabriken vor allem Arbeiter anwerben, die keine Erfahrung hatten. Das in einer Fabrik Erlernte war nicht unbedingt in einer anderen Fabrik wertvoll, weil die Versionen der Technologie und die Organisation unterschiedlich waren. Aber ohne einen robusten Arbeitsmarkt, konnten sich Textilarbeiter nicht auf eine lange Karriere bei verschiedenen Arbeitgebern verlassen und Arbeiter sahen deshalb oftmals keinen Grund, in diese Tätigkeit zu investieren. Nach dem Bürgerkrieg, wurde der Markt für qualifizierte Textilarbeiter sehr aktiv. Erst dann begannen die Löhne kräftig zu wachsen. Der Stundenlohn eines Weberei-mitarbeiters bei Lowell hatte sich wenig verändert zwischen 1830 und 1860, aber bis 1910 hatte er sich verdreifacht. Es dauerte Jahrzehnte, bis die Bildungseinrichtungen, verschiedene Geschäftsmodelle und Arbeitsmärkte entstehen konnten, welche den Nutzen der Technologie für einfache Arbeiter entfesselte.

Natürlich waren Technologie und Fähigkeiten nicht die einzigen Faktoren für die Lohn-steigerung. Wachsende Investitionen machten die Arbeiter produktiver und wachsende Chancen für Arbeiterinnen trugen dazu bei, ihre Bezahlung zu erhöhen. Gewerkschaften spielten auch eine Rolle - vor allem im 20. Jahrhundert. Aber bedenken Sie den Umfang dieser Veränderungen: Studien haben gezeigt, dass gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte etwa 15% mehr verdienen, als vergleichbare nicht-gewerkschaftliche Arbeiter. Das ist ein bedeutender Unterschied, ist aber klein im Vergleich zum dreifachen Anstieg der Löhne der Weber. Letztendlich ist der größte Faktor in diesem Lohnwachstum die Technologie, welche das Produktivitätswachstum entfesselte und die Entwicklung zu robusten Arbeitsmärkten einleitete, welche die neuen Fähigkeiten zu schätzen und anzuwenden wussten.

Dank dieser Entwicklungen waren Generationen von weniger gebildeten Produktionsarbeitern in der Lage, gute Löhne zu verdienen. Nun haben aber Automatisierung und Auslagerung viele dieser Arbeitsplätze für Weber, Stahlarbeiter und Typografen eliminiert; viele der alten Fähigkeiten sind überholt. Dennoch stehen neue Möglichkeiten bereit, weil Schwellen-technologien neue Arbeitsplätze schaffen, die neue Fähigkeiten verlangen. Allerdings ist der Übergang zu neuen Arbeitsplätzen langsam und schwierig.

Zum Beispiel werden durch Computer-Publishing Typografen mit Grafik-Designer ersetzt. Doch die heutigen Grafikdesigner stehen vor der Herausforderung, die neuen Fähigkeiten zu erwerben - nicht anders, als die Herausforderung welcher sich TextilarbeiterInnen konfrontiert sahen. Standards, Geschäftsmodelle und Technologien ändern sich ständig, kontinuierliches Lernen wird erfordert. Erste Designer mussten Desktop-Publishing, dann Web-Publishing, und jetzt, mit dem Wachstumsmarkt von Smartphones, mobiles Design lernen. Die fähigsten Designer sind in der Lage, sich selbst zu lehren, durchschnittliche Designer sind nicht in der Lage sich weiter zu entwickeln. Ebenso wenig haben die Schulen mitgehalten; viele legen den Schwerpunkt noch auf Printdesign. Die besten zehn Prozent der Designer haben gesehen, wie ihre Löhne zusammen mit ihren neuen Fähigkeiten wachsen, aber der Median-Lohn für Designer stagniert seit drei Jahrzehnten.

Seit den 1980er Jahren hat sich eine ähnliche Lücke in vielen Branchen aufgetan. In Berufen, in denen die Mehrheit der Angestellten mit Computern arbeiten, stiegen die Löhne der oberen zehn Prozent, aber der Durchschnitt hat sich nur wenig erhöht. Selbst unter wissen-schaftlichen, technischen und computergestützten Berufen ist der durchschnittliche Lohn nur langsam gestiegen, aber die Arbeitskräfte mit spezialisierten technischen Fähigkeiten verdienen sich ein grosses Stück vom Kuchen. Und die Schwierigkeit, die neuen Fähigkeiten zu erwerben, wirkt sich auch auf die Arbeitgeber negativ aus. Viele Umfragen belegen, dass mehr als ein Drittel der Führungskräfte über Schwierigkeiten bei der Suche nach Mitarbeitern klagen, welche die notwendigen Fähigkeiten besitzen; regelmässig prangern Geschäfts-bereiche die "Qualifikationslücke" an. Kurz gesagt, haben Unternehmen viel Nachfrage an Arbeitskräften mit grossen technischen Fähigkeiten; sie sind bereit, hohe Löhne für die Arbeiter zu bezahlen - können sie aber nicht finden.

Folglich ist das Problem nicht, dass die Technologie die Notwendigkeit eines mittelmässig qualifizierten Arbeitnehmers insgesamt eliminiert hat. Neue Chancen sind da, aber sie sind schwer zu erfassen. Die Überwindung dieses Hindernisses wird Zeit sowie Richtlinien, die Förderung technischer Ausbildungen, Zertifizierung durch Erfahrung erlernter Fähigkeiten, Förderung der Mobilität der Arbeitnehmer und Förderung stabiler Arbeitsmärkte erfordern.

Vielleicht werden in der Zukunft intelligente Maschinen drastisch die Möglichkeiten für mittelmässig befähigte Arbeiter beseitigen, aber das ist nicht das, was hinter den heute stagnierenden Löhnen steckt. Die Technologie hat sich nicht gegen uns gewendet; stattdessen fordert uns die Technologie heraus, neue Fähigkeiten zu entwickeln. Wenn wir uns dieser Herausforderung stellen, dann werden viele normale Menschen wesentlich von neuen Technologien profitieren - so wie sie es in den letzten 200 Jahren getan haben.


Der vorliegende Artikel wurde geschrieben und angepasst aus dem Buch „Learning by Doing: The Real Connection Between Innovation, Wages and Wealth“ von James Bessen, Ökonom an der Boston University School of Law.


Übersetztung aus dem Englischen ins Deutsche von

Gabriel Morales
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Offline Gabriel Morales

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Originaltext auf Englisch
« Reply #2 on: January 16, 2016, 09:18:02 PM »
How Technology Has Affected Wages for the Last 200 Years
By James Bessen

Today’s great paradox is that we feel the impact of technology everywhere – in our cars, our phones, the supermarket, the doctor’s office – but not in our paychecks. We work differently, communicate with each other differently, create differently, and entertain ourselves differently, all thanks to new technology. Yet since the beginning of the personal computer revolution three decades ago, the median wage has remained stagnant.

Over the last two hundred years, technological advancements have been responsible for a ten-fold increase in wages. But some people claim that technology has now turned against us, permanently eliminating middle class jobs and portending a future of widening economic inequality. The remedy, they say, lies in policies to redistribute wealth.

But are we really at an historical turning point? No. In fact, the present is not so different than the past. Throughout history, major new technologies were initially accompanied by stagnant wages and rising inequality, too. This was true during the Industrial Revolution in the early nineteenth century and also during the wave of electrification that began at the end of the nineteenth century. However, after decades these patterns reversed; large numbers of ordinary workers eventually saw robust wage growth thanks to new technology.

Of course, circumstances are different today. Information technology automates the work of white-collar jobs and the pace of change is faster. But the key challenge facing the workforce is the same as in the past. Both then and now, in order to implement major new technologies, large numbers of people had to learn new skills and knowledge. This learning turned out to be surprisingly slow and difficult, yet it was the key to higher wages. Today’s workforce must overcome a similar hurdle before it can benefit from new technology.

Too often, when people think about technology, they only think about the initial invention. In the cartoon version, technology consists of inventions “designed by geniuses to be run by idiots.” Yet most major technologies develop over decades, as large numbers of people learn how to apply, adapt, and improve the initial invention. The initial power loom—one of the transformative technologies of the Industrial Revolution—automated weaving tasks, allowing a weaver to produce twice as much cloth per hour. But over the next century, weavers improved their skills and mechanics and managers made adaptations and improvements, generating a twenty-fold increase in output per hour. Most of the gains from this technology took a long time to realize, and involved the skills and knowledge of many people. Similarly slow progress was seen in steam engines, factory electrification, and petroleum refining. More recently, it took decades for computers to show up in the productivity statistics.

Because skills were so important during the Industrial Revolution, employers sometimes went to great lengths to build an intelligent workforce that could learn on the job. Lowell, Massachusetts, was the Silicon Valley of its day, and the textile mills of Lowell recruited bright young women by offering them something like a college experience: the mill owners funded schools, lecture series, a library, and cultural events. One mill girl, Lucy Larcom, studied German and botany, and published poems in the mill girls’ literary magazine during the 1830s and 1840s; she came to the attention of John Greenleaf Whittier, who became her mentor.

These measures by the mill owners might seem surprising because even today factory workers with little education are often considered “unskilled.” Although the early mill workers had little formal schooling, they learned skills on the job, skills that were critical to keeping the strange, new, expensive machines running efficiently. Their skills were narrow compared to those of traditional craftsmen, but valuable nonetheless. These skills eventually allowed factory weavers to earn far more than earlier artisan weavers; steel workers with narrow skills earned more than craft ironworkers with broad skills; typographers on the new Linotype machines earned more than the hand compositors they replaced. Moreover, employers paid these workers well at a time when unions had little power. Technical skills learned through experience allowed blue-collar workers with little education to enter the middle class.
However, this process took a long time. Many workers could not teach themselves on the job. In the early textile mills, most left after just months on the job, finding the work too hard to learn or too disagreeable. Nor could these skills be learned in school. The technology was too uncertain, changing too rapidly for schools to keep up. The first textile schools were not established until after the Civil War. More important, workers’ incentives to learn the new skills were weak because the labor market was initially quite limited. During the 1830s, the textile mills mainly hired workers who had no prior experience. Experience acquired at one mill was not necessarily valuable at another because mills used different versions of the technology and organized work in different ways. But without a robust labor market, textile workers could not look forward to a long career at different workplaces and so they had little reason to invest in learning. After the Civil War, the market for skilled textile workers became very active. Only then did wages begin to grow vigorously. Weavers’ hourly pay in Lowell changed little between 1830 and 1860, but by 1910 it had tripled. It took decades for the training institutions, business models, and labor markets to emerge that unlocked the benefits of technology for ordinary workers.

Of course, technology and skills were not the only factors that helped boost wages. Growing capital investments made the workers more productive, and growing opportunities for women workers helped increase their pay. Unions also played a role, especially during the 20th century. But consider the magnitude of these changes: studies have shown that unionized workers earn about 15% more than comparable nonunionized workers. That’s a meaningful difference, but it looks small compared to the weavers’ three-fold increase in wages. Ultimately, the biggest factor in that wage growth was technology, the productivity growth it unlocked, and the development of mature labor markets that valued the weavers’ skills.

Thanks to these developments, generations of less educated manufacturing workers have been able to earn good pay. Now, however, automation and offshoring have eliminated many of those jobs for weavers and steelworkers and typographers; many of the old skills are obsolete. Nevertheless, new opportunities are emerging because technology creates jobs that demand new skills. However, the transition to new jobs is slow and difficult.

For example, computer publishing replaced typographers with graphic designers. Yet today’s graphic designers face a challenge acquiring the latest skills, not unlike the challenge faced by antebellum textile workers. Standards, business models, and technology keep changing, requiring continuous learning. First designers had to learn desktop publishing, then web publishing, and now, with the growth of smartphones, mobile design. The most able designers are able to teach themselves, but the average designer cannot. Nor have the schools kept up; many still focusing on print design. The top ten percent of designers have seen their wages grow strongly along with their new skills, but the median designer wage has been stagnant for three decades.

Since the 1980s, a similar gap has widened within many jobs. In occupations where the majority of workers use computers, the wages of the top ten percent have been growing, but median wages have seen little growth. Even among scientific, engineering, and computer occupations, the median wage has grown slowly, but those with specialized technical skills earn a growing bounty from technology. And the difficulty of acquiring the new skills affects employers as well. In survey after survey, over a third of managers report difficulty finding employees who have needed skills; business groups regularly decry the “skills gap.” In short, firms have plenty of demand for workers with critical technical skills, they are willing to pay high wages for workers who have them, but too few workers do.

Thus the problem isn’t that technology has eliminated the need for mid-skill workers overall. New opportunities are there, but grasping them is difficult. Overcoming that obstacle will take time as well as policies that promote technical training, certify skills learned through experience, encourage employee mobility, and foster robust labor markets.

Perhaps in the future, smart machines will drastically eliminate opportunities for mid-skill work, but that is not what is behind today’s stagnant wages. Technology has not turned against us; instead, technology challenges us to develop new capabilities. If we meet that challenge, then large numbers of ordinary people will benefit substantially from new technology, just as they have for the past two hundred years.

https://hbr.org/2015/04/how-technology-has-affected-wages-for-the-last-200-years
http://lbd.researchoninnovation.org/

Offline Gabriel Morales

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Menschheit steht vor dem grössten Umbruch seit der industriellen Revolution
« Reply #3 on: January 16, 2016, 09:24:17 PM »
Um Arbeitsplätze zu schaffen und neue Organisationsformen zu finden, müsse die Gesellschaft auf kollektive Intelligenz und Selbstorganisation setzen, sagt der Soziophysiker Dirk Helbing

Dirk Helbing möchte uns nicht ängstigen. Aber egal wie sachlich und nüchtern der Komplexitätsforscher der ETH Zürich sein Anliegen auch vorbringt, seine Worte gehen durch Mark und Bein.

«Kein Land der Welt ist vorbereitet auf das, was kommt», sagt er und meint damit die vor uns liegende, digitale Revolution. Diese verändere unsere Gesellschaft in atemberaubender Geschwindigkeit. «Nichts wird so bleiben, wie es war. In den meisten europäischen Ländern werden circa 50  Prozent der heutigen Arbeitsplätze verloren gehen.»

Der Umbruch biete aber auch die Möglichkeit, unsere Gesellschaft und Wirtschaft neu zu gestalten, «eine Chance, wie sie sich nur alle 100 Jahre bietet», sagt Helbing. Wenn wir maximal von diesem riesigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Potenzial profitieren wollen, bräuchten wir dringend eine Art Apollo-Programm für Informations- und Kommunikationssysteme, um die nötigen Institutionen und Infrastrukturen für die digitale Gesellschaft der Zukunft zu errichten.

Die Zeit drängt: Es bleiben uns vielleicht nur 20 Jahre. «Das ist sehr wenig, wenn man bedenkt, dass die Planung einer neuen Strasse oft 30 Jahre oder mehr verschlingt.»

Vorboten der digitalen Revolution kennt jeder: Wir kaufen online, nutzen Bezahlsysteme wie Bitcoin, kommunizieren über Facebook und Whatsapp, sehen Filme via Netflix, fahren Taxi mit Uber, liefern Päckchen mit Drohnen aus, bauen Häuser per 3-D-Drucker, wundern uns über die globale Überwachung, werden bald von autonomen Fahrzeugen chauffiert und von Robotern gepflegt. Noch vor zehn Jahren hatten wir allenfalls eine vage Ahnung von diesen Dingen.
Computer sind besser im Schach, Rechnen, bei Strategiespielen

Doch die Entwicklung geht mit irrsinnigem Tempo weiter – denn sie basiert auf Computerprozessoren, deren Leistung sich etwa alle 18 Monate verdoppelt. Das heisst: die Rechenleistung wächst exponentiell. Was das bedeutet, lässt die Geschichte von den Reiskörnern auf den Feldern eines Schachbretts erahnen: Legt man ein Reiskorn auf Feld eins, zwei auf Feld zwei, vier auf Feld drei, acht auf Feld vier und so weiter, dann liegen auf Feld 64 nicht nur ein paar Tausend Körner, sondern exakt 9 223 372 036 854 775 808 Stück – das entspricht in etwa dem sechsfachen Volumen des Bodensees. Schon heute schlagen Computer die klügsten Menschen im Rechnen, in Strategiespielen wie Schach, im Auffinden und Verwerten von Wissen und in Quizshows. In etwa zehn Jahren werden Rechner die Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns erreichen.

Auch die Datenmenge explodiert: Innerhalb eines einzigen Jahres produzieren wir so viele Daten wie in der gesamten Menschheitsgeschichte zusammen. Internetsuche und Onlinekäufe, Tweets und Facebook-Comments, die Nutzung von Google Maps mit Smartphones sowie all die Sensoren auf der Erde und im Weltraum erzeugen Unmengen von Daten, sogenannte Big Data.

Kommt hinzu, dass immer mehr Gegenstände – vom Handy über den Kühlschrank bis zur Zahnbürste – mit Sensoren ausgestattet werden und ein Internet der Dinge aufspannen. «Schon heute gibt es mehr Objekte, die mit dem Internet verbunden sind, als Menschen», sagt Helbing. «In zehn Jahren werden 150 Milliarden Gegenstände im Internet der Dinge verknüpft sein.» Wir schlittern also in eine immer stärker vernetzte Welt mit immer mehr Abhängigkeiten.

«Die Komplexität der Gesellschaft wächst sogar noch schneller als die Rechenleistung der Supercomputer», sagt Helbing. Das heisst: Selbst mithilfe der schnellsten Rechner wird es sogar der klügsten und verantwortungsvollsten Regierung nicht mehr gelingen, die sich rasch wandelnden Regeln und Muster unserer digitalen Welt schnell genug zu erfassen und der Komplexität Herr zu werden. «Die Vorstellung, man könnte ein globales System dieser Komplexität noch zentral steuern, ist einfach falsch», sagt Helbing. «Die Grösse der Herausforderung übersteigt die Möglichkeiten klassischer Lösungsansätze.»

Symptome dieser Komplexität seien zum Beispiel Finanz- und Wirtschaftskrisen. Die Europäische Zentralbank habe bisher keine überzeugende Antwort darauf gefunden, sagt Helbing. Weitere Nebenwirkungen der digitalen Revolution sind Cyberkriminalität, Cyberkrieg und die negativen Seiten von Big Data: Die gigantischen Mengen an Information und persönlichen Daten, die Firmen wie Google, Apple, Amazon, Facebook, Twitter und die Geheimdienste anhäufen, sind nicht mehr zu kontrollieren.

Die Durchschlagskraft der bevorstehenden Umwälzungen ist in etwa vergleichbar mit der industriellen Revolution. Bis etwa 1850 arbeiteten circa 70 Prozent der Bevölkerung im landwirtschaftlichen Sektor. Heute sind es in den industrialisierten Ländern noch 3 bis 5 Prozent. Neue Arbeitsplätze in der Industrie glichen zwar die Arbeitslosigkeit im Agrarsektor teilweise aus. Aber der Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft hat Zeit gebraucht und erhebliche Turbulenzen verursacht.

Nun gehen prominente Studien davon aus, dass die Anzahl heutiger Industriejobs durch Robotik halbiert wird. Auch der Servicesektor werde auf die Hälfte schrumpfen, da intelligente Computer mehr und mehr Dienste übernehmen. Agrar-, Industrie- und Servicesektor stellen dann nur noch rund 50 Prozent der heutigen Jobs. Die 30 Millionen Arbeitslosen in Europa und eine Jugendarbeitslosigkeit von über 50 Prozent in manchen Ländern sprechen eine deutliche Sprache. «In der Schweiz werden wir diese Entwicklung zuletzt spüren», sagt Helbing. «Aber dann ist es zu spät, sich zu wappnen.»

Es sollte uns Sorgen machen, dass der digitale Sektor erst rund 15  Prozent der Arbeitsplätze stellt. «Digitale Ansätze sind meist viel effizienter als herkömmliche Lösungen», sagt Helbing. Als zum Beispiel Kodak pleiteging, kamen Firmen wie Instagram auf, die aber nur rund ein Tausendstel der Mitarbeiter beschäftigen. «Die neuen Firmen werden wohl nicht in der Lage sein, das Äquivalent der wegfallenden Arbeitsplätze neu zu schaffen.»

Wie können wir auf diese massiven Umwälzungen reagieren und die entfesselte digitale Welt bändigen?...
http://www.sonntagszeitung.ch/read/sz_04_01_2015/gesellschaft/Menschheit-steht-vor-dem-groessten-Umbruch-seit-der-industriellen-Revolution-23180